Interview mit Prof. Yadegar Asisi
Wer ist Prof. Yadegar Asisi
Umfangreiche Sanierung
Was heißt Panometer?
Öffnungszeiten
Lange schlummerte der kleine Gasometer in Reick in einem Dornröschenschlaf – am 9. Dezember erwacht er als Panometer Dresden zu neuem Leben.
Denn an diesem Tag eröffnet „1756 Dresden“, das Panoramaprojekt über die Stadt Dresden zur Zeit des Barock.
Das Panometer Dresden ist der gemeinsame Beitrag der Asisi Factory und der DREWAG zur 800-Jahrfeier der Stadt. Der Berliner Künstler und Architekt Yadegar Asisi hat dafür das monumentale Panoramagemälde und die Rahmenausstellung „1756 Dresden“ geschaffen.
Als Aussichtspunkt für das Panoramabild hat Yadegar Asisi den Glockenturm der Dresdner Hofkirche gewählt. Von hier aus erschließt sich das Panorama der kursächsischen Residenz am eindringlichsten.
Die DREWAG übernahm mit rund 1,7 Mio. Euro die Sanierung des Gasometers, so dass ein neues Highlight in Dresden entstehen konnte. Umbauten waren notwendig, damit die Besucher von einer über zehn Meter hohen Aussichtsplattform auf ein im Verhältnis 1:1 dargestelltes Dresden blicken können.
Interview mit Prof. Yadegar Asisi
Was erwartet den Dresdner im Panometer?
Auf den ersten Blick ist es etwas ganz Simples: Ein Blick von der katholischen Hofkirche über die Stadt Dresden am letzten Tag des Barock. Es ist der Versuch einer Annährung an eine Zeit, die überall in Dresden präsent ist. Man scheint sie zu
kennen, aber nicht in der Gesamtheit. Und genau das leistet das Panoramagemälde: Es erlaubt dem Betrachter, dieses barocke Dresden räumlich zu erfahren und auf diese Weise die Stadt wieder neu zu entdecken. Ich lade damit auch zu einem Dialog über Dresden ein. Eine knappe, aber schön gestaltete Ausstellung führt den Besucher wie auf einem Spaziergang vorbei an Gemälden und Skizzen von Gebäuden und Plätzen des barocken Dresden bis hinauf auf den Turm der Hofkirche, von wo aus sich das Panorama öffnet.
...und außerhalb des Panometers?
Hier trifft der Besucher auf eine Industrielandschaft und die Reste einer Technik, die so heute nicht mehr benötigt wird – die gewaltigen Gasometer. Doch gerade ihre Dimension und besonders ihr zylindrischer Baukörper geben mir den Raum, meine Panoramen richtig zu inszenieren. Sie sind der perfekte Ausstellungsort. Auf diese Weise wird ein totgeglaubtes Industriedenkmal durch einen neuen Inhalt belebt.
Wie entsteht solch ein Kunstwerk?
Dies in wenigen Sätzen zu erläutern, ist schwierig. Jedes Panorama hat seine eigene Herangehensweise, unterteilt in mehrere Etappen. In Dresden stand mir unheimlich viel Material zur Verfügung. Gemälde, historische Stadtpläne, Fotografien aus der Vorkriegszeit, das musste ich erst einmal sichten. Danach mussten das Gelände und die Gebäude Linie für Linie perspektivisch konstruiert werden. Schließlich ging es ans Ausformulieren: Dabei habe ich viel gemalt, aber auch wie bei einer Collage gearbeitet und Details aus digitalen Fotografien verwendet. So kann es geschehen, dass ein Gebäude aus zehn verschiedenen Einzelteilen besteht. Das war manchmal eine ungeheure Detailarbeit, beispielsweise bei den Dächern. Jedes im Gemälde besteht aus unterschiedlichen Fotos. Für Aufnahmen von barocken Dächern sind meine Mitarbeiter und ich bis nach Rumänien gefahren. Doch bei aller Detailarbeit darf man nie das atmosphärische Ganze vergessen. Alle Farben im Bild müssen dazu passen.
Worin liegt Ihr Interesse für Panoramen?
Das Panorama war das erste visuelle Massenmedium. Menschen jeden Alters und aus jeder Bevölkerungsschicht begeisterten sich im 19. Jahrhundert für die Rundumbilder, die damals in erster Linie bedeutende Schlachten oder ferne Länder zeigten. Ihre Popularität endete mit der Erfindung der bewegten Bilder, des Kinos. Heute in der medialen Welt geht aber alles so schnell, dass wir gar nicht mehr dazu kommen, bewusst zu sehen. Die Panoramen sind deshalb für mich eine Art Gegenbewegung. Eine Art Entdeckung der Langsamkeit, wenn Sie so wollen. Da gibt es nur ein Bild, in das man eintauchen kann. Der Betrachter selbst bestimmt, wie lange er diese oder jene Stelle darin betrachtet. Er ist sein eigener Regisseur. Und vielleicht beeinflusst ihn diese im eigentlichen Wortsinn Sichtweise auch bei seinem allgemeinen Sehen außerhalb des Panometers.
Wie ist Ihr Verhältnis zu Dresden?
Ich habe zu Dresden durch mein Architekturstudium ein besonderes, enges Verhältnis. Es ist ein vertrauter Ort, aber jetzt merke ich, dass ich Dresden gar nicht richtig gekannt habe. Erst durch die Arbeit an dem Panoramagemälde „1756 Dresden“ habe ich bemerkt, was für eine tolle Struktur die Stadt hat und wie schön sie in der Landschaft liegt. Für mich ist es das Wiederentdecken eines vertrauten Ortes.
Wie lange soll es „1756 Dresden“ geben?
Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt, wobei ich alles tun werde, dass es eine vitale Installation bleibt. Dazu kann eine Überarbeitung des Gemäldes gehören, oder auch eine neue Gewichtung der Rahmenausstellung. Ich möchte die Installation rhythmisieren und alle zwei, drei Jahre etwas Zusätzliches und Besonderes bringen.
Zur Person:
Yadegar Asisi
Umfangreiche Sanierung
In den vergangenen Monaten wurden die Bauarbeiten für Fußboden, Eingangsbauwerk sowie Treppenbauwerk und Behindertenaufzug abgeschlossen. Dabei wurden mehr als 1.400 Kubikmeter Sand und Kies sowie 1.500 Tonnen Stahlbeton verbaut. Für den Bau der Rotunde, an der das Panoramabild befestigt wird, wurden 75 Tonnen Baustahl eingesetzt, dies entspricht der Masse von 50 Kraftfahrzeugen. Die Rotunde selbst hat einen Durchmesser von 35 und eine Höhe von 28,5 Metern. So bleibt bei einem Innendurchmesser des Gasometers von 50 Metern noch genug Platz für eine begleitende Ausstellung.
Im Außenbereich fällt sofort die Wiederherstellung des Putzes oberhalb des Eingangsbereiches auf. Im Innenbereich wurde der aufgeweichte und bröcklige Putz komplett entfernt. Auch hier zeigt sich nun die schöne, alte Baustruktur. Das Dach erfuhr ebenso eine Sanierung.
Außerdem wurden rund 1.400 neue Fensterscheiben (370 qm) eingesetzt, alte Stahlfensterrahmen wiederaufgearbeitet. Eine Dämmung gegen Licht, Schall und Kälte hilft, das Panoramabild in einer optimalen Umgebung zu präsentieren.
Panometer:
Die Wortverbindung von Gasometer und Panorama ist für den Berliner Künstler Prof. Yadegar Asisi kein Neuland – besuchten doch innerhalb von 22 Monten knapp 500.000 Gäste die von ihm geschaffene Panorama-Ausstellung „8848Everest360°“ im Panometer Leipzig. Dessen aktuelles Panoramaprojekt „Rom CCCXII, das den Siegeszug Kaiser Konstantins durch die antike Metropole thematisiert, faszinierte zehn Monate nach der Eröffnung im November 2005 bereits 200.000 Besucher.
Das Gasometer in Reick:
Panometer ist Kundenkartenpartner!
DREWAG-Kundenkarte - Besitzer erhalten 50 Cent Preisnachlass auf ihre Eintrittskarte.
Öffnungszeiten
9-19 Uhr Dienstag bis Freitag
10-20 Uhr Wochenende und Feiertage
Montag geschlossen
Eintrittspreise: normal 9 Euro, zahlreiche Ermäßigte und Gruppentarife unter www.asisi-factory.de